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Album der Woche: Symba – Briefe aus Berlin

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Tagged: Symba

Symba gehört seit Jahren zu den spannendsten Stimmen des Deutschrap. Mit lakonischem Flow, trockenem Humor und einem feinen Gespür für eingängige Melodien bewegt er sich mühelos zwischen Ironie, Straßenrap und emotionaler Offenheit. Auf seinem neuen Tape „Briefe aus Berlin“ zeigt er eine besonders nachdenkliche Seite.

Schon der deutsche Dichter und Schriftsteller Heinrich Heine schrieb 1822 „Briefe aus Berlin“ – mal bewundernd, mal ironisch, oft mit einem scharfen Blick auf die Widersprüche der Hauptstadt. Zufall, dass Symbas neues Tape den gleichen Namen trägt? Stilistisch teilen sich beide vermutlich den Hang zum beiläufigen und pointiertem Humor. Zumindest thematisch scheint es auf den ersten Blick jedoch nur wenige Überschneidungen zu geben. Zwar beschreibt auch der Rapper sein Leben in Berlin, konzentriert sich auf dem gleichnamigen Projekt jedoch vor allem auf seine eigene Emotionswelt und die Reflexion einer gescheiterten Beziehung.

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Statt humorvollen Großstadterzählungen wie auf früheren Releases entfalten die neuen Tracks ein emotionales Spannungsfeld aus Sehnsucht, Unsicherheit und zwischenmenschlichem Chaos. Pointierte Punchlines und spielerische Leichtigkeit werden über weite Strecken durch reduzierte Beats und Introspektion ersetzt.

Prägend für den Sound ist auch Produzent Sebo. Er arbeitete bereits mit zahlreichen Artists aus dem Umfeld der Playboys Mafia und der 361 Youngins zusammen. So war er unter anderem an Pashanims „Ms. Jackson“, Cerens „Synergie“ sowie an mehreren Releases von Joje beteiligt. Auf „Briefe aus Berlin“ lassen die Beats vor allem Raum für Symbas Stimme und Gedanken. Leise Ambient-Flächen schweben im Hintergrund, während trockene Drums und Percussion die Songs tragen.

„Briefe aus Berlin“: Zwischen Trennung, Trauer, Neustart und jeder Menge Musikvideos

Thematisch dreht sich das Tape fast vollständig um eine Beziehung, die in ihre Einzelteile zerfällt. Schon der Opener „Schatten und Licht“ beschreibt den Zustand zwischen Festhalten und Loslassen. Zeilen wie „Weil wenn sie anruft in der Nacht, geh ich immer ran“ zeigen, dass der endgültige Schlussstrich noch nicht gezogen ist.

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Auf „Wenn es regnet“ wird es noch verletzlicher. „Es ist nicht schlimm, wenn es heut regnet, weil so sieht man meine Tränen nicht“ klingt wie eine bewusst überzeichnete Sad-Boy-Zeile aus der Tumblr-Ära der 2010er-Jahre. Ob ernst gemeint oder augenzwinkernd formuliert, bleibt offen – wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Gleichzeitig machen Zeilen wie „Mich selber spür’ ich kaum, es läuft nicht optimal“ deutlich, dass hinter der scheinbaren Ironie auch echte Verletzlichkeit steckt.

Mit „Lichter“ schlägt die Stimmung in Wut um, und auch die Energie zieht spürbar an: „Du hattest über hundert falsche Gesichter“. Produziert wurde der Song von Sebo sowie Produzent und DJ Speckman – kein Wunder also, dass er musikalisch besonders nach vorne geht.

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Auf „Frag mich, ob du das vermisst“ dominiert schließlich Reflexion und vorsichtige Akzeptanz. „Und vergesse alte Sorgen für einen kurzen Augenblick“, rappt Symba und blickt damit erstmals nach vorne. Optimistischer wird es dann auf dem vorletzten Track „Sport mit dir“. Hier scheint sich nach all dem emotionalen Chaos eine neue Liebe anzubahnen. Es ist zugleich einer der wenigen Songs des Projekts, an denen Sebo nicht beteiligt war. Stattdessen stammt die Produktion unter anderem von Ambezza, der durch seine Arbeit mit Future und Drake internationale Bekanntheit erlangte.

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Symbas emotionalstes Projekt?

„Briefe aus Berlin“ wirkt wie ein bewusst kleines, aber inhaltlich dichtes Tape. Die Songs erzählen von Liebeskummer, Verdrängung, Wut und Hoffnung – fast wie verschiedene Phasen eines Trauerprozesses. Ob Symba diese Dramaturgie gezielt angelegt hat oder sich die Parallelen erst beim Hören ergeben, bleibt offen. Gerade dieses Interpretationsspiel macht bei Symba jedoch besonders viel Spaß.

Statt auf große Gesten setzt er auf subtile Beobachtungen, pointierte Zeilen und Produktionen, die gerade in ihrer Zurückhaltung wirken. „Briefe aus Berlin“ ist damit kein lautes Statement, sondern ein intimer Einblick in eine emotionale Übergangsphase – und vielleicht Symbas bislang persönlichstes Projekt.

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