Album der Woche: viko63 & penglord – Aquarium
Wer Viko sagt, muss auch Penglord sagen. Der Wein „Mucho Gusto“, die Kreisliga in der„Sauf Sport Balance“. Auf lässigen 4-to-the-floor Beats bescherrte uns das Baseler Duo schon so manche durchzechte Partynacht. Die Mischung aus Cloud Rap, House, Y2K und Videospiel wirkte vielleicht vorerst etwas off, entfaltete auf dem Rave aber jene Wirkung, die wir heute nicht mehr missen möchten. Und während Party Rap und Trance-Edits heute Stadien füllen und kein Pleasure mehr zu guilty zu sein scheint, tauchten Viko63 und Penglord einfach ab.
Untergetaucht: viko63 und penglord
„Rock It!“ war vor knapp zwei Jahren das letzte musikalische Lebenszeichen der beiden. Mit Rock war aber natürlich EDM gemeint und der Track hörte sich ein bisschen so an, als hätte Flo Rida die Hauptrolle in einer 2000er-iPod-Werbung bekommen. Und wer mit einem Bang aufhört, schürt auch große Comeback-Erwartungen. Als dann vor knapp sieben Wochen mit „Diashow“ endlich wieder Viko63 und Penglord über den Röhrenfernseher flimmerten, dürfte so mancher Fan schon mal vorsichtshalber die schnelle Brille entstaubt haben.
Millenium trifft „Aquarium“
Die erste und einzige Single „Diashow“ sollte dann für die ein oder andere runtergefallene Kinnlade gesorgt haben. Analog trifft digital, Moby auf Bilderbuch, Millenium auf „Aquarium“. Während sich letzteres schon im Musikvideo andeutete, scheint auf dem titelgebenden Introtrack die ganze Welt unter Wasser. Und tatsächlich fühlen sich alle elf Tracks des Albums an, als würde man untertauchen. Die körperliche Last löst sich auf in elektronischer Leichtigkeit und das Hier und Jetzt verschwimmt in den organischen Soundwellen.
Die fast 40 Minuten, in denen man wie ein Wells an der Scheibe vom „Aquarium“ klebt, sind Wellness für die Ohren. Egal wo man hinhört, verstecken sich neue verfrickelte Synths, verzerrte Gitarren und saturierte Drums. Vikos und Penglords neuer Sound ist aber durchaus vertraut. Vikos nonchalante Lyrics entfalten immer noch dieselbe Wirkung auf Tracks wie „Popcorn Drama“ und auch penglord beweist Track um Track sein Produktionstalent, auf „Interlude“ sogar fast komplett instrumental. Und gerade dann, wenn man fast selbst zum Goldfisch mutiert ist, holt dich das „Taxi“ wieder aus dem Wasserbecken raus. Könnte man doch „nur noch einmal“ zurückkehren …
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