Album der Woche: Wet Leg – moisturizer
Ein feministischer Befreiungsschlag in Form von Musik? Genau das ist es, was Wet Leg uns schon 2022 beschert haben. Und genau so geht es auch 2025 weiter. Noch dazu wurde scheinbar jede Form der Schüchternheit abgelegt – zumindest on Stage, denn die Frontsängerin Rhian Teasdale zeigte sich bei den letzten Auftritten vor allem, als starke, selbstsichere Frau, die ihre Muskeln spielen lässt und mit eisernem Blick ihrem Publikum gegenüber tritt. Die Frage, die sich stellt: Findet sich diese Revolution auch auf ihrer neuen Platte, nachdem die Band seit mehr als drei Jahren nichts größeres mehr veröffentlicht hat?
Wet Leg sind nach über drei Jahren mit neuem Album zurück
Gleich zu Beginn der LP beleben sich Wet Leg gleich mal wieder. Mit „CPR“ (besser bekannt als Herz-Lungen-Wiederbelebung) starten sie in ihr zweites, lang ersehntes Album. 2022 legten sie mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum ein raketenhaften Start hin und kletterten auf Platz eins der Albumcharts in ihrer Heimat Großbritannien. Mit ihrem Sound brachten Wet Leg den Postpunk und Indie-Rock wieder auf den Plan und das auch noch mit feministischer Ader. Seither hieß es jedoch: warten! Denn um die beiden Musikerinnen Rhian Teasdale und Hester Chambers wurde es in den letzten Jahren eher ruhig. Bis jetzt! Denn am Freitag erschien „moisturizer“!
Und mit diesem beantwortet sich dann auch die anfängliche Frage. Ja, die LP ist definitiv eine Revolution und Weiterentwicklung zu „Wet Leg“. Natürlich kennen wir den frechen Sound der Band, gerade durch Tracks wie „Chaiselongue“, bereits. Mit „moisturizer“ setzen sie jetzt aber noch einen oben drauf. Den Ton hatten sie mit der ersten Singleauskopplung „catch these fists“ schon im April angespielt. Rotzig erklären sie hier: „I don’t want your love, I just wanna fight“, während im Hintergrund die Melodie zu einem wahren Punkrock-Feuerwerk ausholt.
„moisturizer“ strotzt vor Vielfalt
Dabei bleibt es aber natürlich nicht, denn an Vielfalt mangelt es dem Duo der Isle of Wight nicht. Neben treibenden Songs finden sich auch leichtere Klänge, wie auf dem Song „davina maccall“, der schon fast Country Vibes einfängt. Übrigens ist es auch jener Song, den die Band am liebsten live spielt und auf den sie sich am meisten gefreut haben, ihn den Fans zu zeigen, wie sie uns im Interview erzählen. Ähnlich melodisch muten auch „mangetout“ oder „pokemon“ an.
Es geht um Sex, Lesbischsein, Drogen, Liebe und mehr! Die Vielfalt des Albums beschränkt sich also lange nicht nur auf den Sound, sondern spiegelt sich auch in den Themen und zeigt uns vor allem: In den drei Jahren Wet-Leg-Flaute haben die beiden zweifellos an sich, ihrer Musik und den Aussagen, die sie damit treffen, gefeilt und sind stärker den je zurückgekommen. Es bleibt nun die nächsten Wochen abzuwarten, ob das Grammy-Duo mit „moisturizer“ auch chartmäßig dort anknüpfen wird, wo sie aufgehört haben.
Und was soll eigentlich der Titel bedeuten?
Wer sich noch fragt, warum heißt die Platte eigenlich „moisturizer“? Das hat uns die Band selbst beantwortet: „I think it’s just always fun to take like an everyday word like moisturizer and kind of like give it, you know, a new placement and just kind of like what that does to the word.“ Die 40 Minuten Laufzeit lassen uns jedenfalls so erfrischend zurück, wie die nächste Facecare-Routine.
Wir verlosen das Album auf Vinyl, wenn ihr gewinnen wollt, schreibt uns eine Mail mit dem Betreff „moisturizer“ an verlosung@diffusmag.de
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