Deutschrap unter Strom: Haftbefehl und oddworld veröffentlichen „syndrom stockholm“
„RADW“ und „069“ gehören wohl zu den ikonischsten Haftbefehl-Songs aller Zeiten. Konkurrenz könnten diese Deutschrap-Klassiker jetzt aber von „syndrom stockholm“ bekommen – dem neuen gemeinsamen Song von Haftbefehl und oddworld. Bereits für die Vorgängersingle – sein erster rein türkischer Song „dünya garip“ – hatte sich Aykut Anhan, so Haftbefehls bürgerlicher Name, mit dem Produzenten-Duo bestehend aus Minhtendo und Alexis Troy zusammengetan. Doch während oddworld auf „dünya garip“ noch die nachdenkliche Seite aus Haftbefehl herauskitzelten, wird es auf „syndrom stockholm“ endlich wieder brachial!
Hart, härter, Haftbefehl
Alarmierende Sirenen und metallische Schläge sorgen dafür, dass bereits nach den ersten Sekunden von „syndrom stockholm“ beängstigende Unruhe aufkommt. Haftbefehl zeigt sich davon unbeeindruckt und erhebt sich stattdessen wie der Phönix aus der Asche! Und so serviert er hungrig und mit neuem Eifer ungefilterte Bars über Koks, Frauen und das Leben am Block, während wuchtige Beats brutal auf ihn einschlagen.
Besonders das dreckige Soundbett, das gleichzeitig Wut und Fluchtgedanken auslöst, prägt den Reiz, der von „syndrom stockholm“ ausgeht. Doch auch bei den bedeutungsschweren Lyrics lohnt es sich, genauer hinzuhören. Haftbefehl schaut dorthin, wo es wehtut – und wohin es ihn selbst fast getrieben hätte: „Blut klebt am Strohhalm, vom Koks-Kristall / Er liegt auf’m kalten Boden, Überdosis, Todesfall / Sozialamt, Mindestlohn, Gehalt, so werden wir im Hochhaus alt“.
Einen Bezug zum Drogenkonsum stellt Haft auch mit dem Titel der Single her. In seiner originalen Bedeutung beschreibt das Stockholm-Syndrom das psychologische Phänomen, bei dem Opfer z. B. bei Geiselnahmen positive Gefühle zu den Tätern entwickeln. Analog dazu werden in „syndrom stockholm“ die Drogen zum Täter und Menschen zum Opfer: „Ja so wohnen wir am Block zwischen Hochhäusern / Die Koks-Seuche bricht aus, was los Leute?“
„syndrom stockholm“ wird damit zu einem der eindringlichsten Haftbefehl-Song der letzten Jahre und unterstreicht das Perfect-Match zwischen Haft und oddworld. Gern mehr davon!
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