Die 10 besten Newcomer:innen 2021
Auch wenn wir dieser Tage überwiegend das Jahr 2021 Revue passieren lassen, wollen wir euren Blick mit dieser Liste auf den Beginn des kommenden Jahres lenken und in die Zukunft blicken. Diese talentierten NewcomerInnen sollte man 2022 unbedingt im Auge behalten:
Paula Hartmann
Paula Hartmann hat im Sommer dieses Jahres mit einem lauten Knall ihr Debüt in der Musikszene gefeiert. Lange in Film und Fernsehen bekannt, zeigt die Berlinerin bereits in ihrem ersten Song „Nie verliebt“, dass schauspielern definitiv nicht ihr einziges Talent ist. Vom ersten Ton an überzeugt die 20-Jährige mit einer natürlichen Gabe für bildkräftige, poetische Sprache. Ohne auch nur einen Hauch von Kitsch gelingt es ihr, die tiefsten Gefühle auf dem Silbertablett zu servieren. Und dass alles mit einer Leichtigkeit bei der man meinen könnte, die Lyrics kommen ihr beim Singen einfach so in den Kopf. Kurz: Paula Hartmann hat Songwriting bereits in den Anfangszügen ihrer Karriere durchgespielt.
Mit Lines wie „Wo fällt die Liebe hin, wo muss ich stehen, um sie zu fangen“ setzt sie dann in ihrer zweiten Single „Truman Show Boot“ sogar noch einen drauf und stellt Referenzen und Sprachbilder auf, die den Hörer:innen vor lauter Wahrhaftigkeit und Genialität fast den Boden unter den Füßen wegziehen. Dazu kommt die von Grund auf ehrliche, schonungslose Art, mit der sie ihre Gefühle in das minimalistische Soundgerüst aus entspanntem Beat und monotonen Synthie-Sounds einflechtet. In Kombination mit ihrer ruhigen Stimme erschafft sie ein spürbares Gefühl der Verlorenheit mit einer gehörigen Portion Melancholie – und fängt damit den Weltschmerz ihrer Generation ein, wie kaum eine andere.
Edwin Rosen
Seit dem Release seines ersten Songs „leichter//kälter“ sind inzwischen gut eineinhalb Jahre vergangen – eine turbulente Zeit, in der Edwin Rosen nicht nur die Anzahl seiner Fans um ein Vielfaches vergrößern konnte, sondern auch Veröffentlichung um Veröffentlichung immer mehr die Essenz seines Schaffens herauskristallisiert. Seine Sounds, inspiriert von Bands wie Joy Division oder die Selektion, finden sich irgendwo zwischen Synth-Pop, New Wave und Post Punk wieder und eröffnen dem Newcomer deutschlandweit eine ganz besondere musikalische Nische.
Edwin entscheidet sich erst vor knapp zwei Jahren dazu, auch auf Deutsch zu texten und die Gitarre gegen Drum-Computer und Synthesizer einzutauschen. So entsteht „leichter//kälter“ als erster Song auf Deutsch, den der Stuttgarter ohne weitere Umschweife im Netz hochlädt. Dass sich einmal so ein Hype um den Song und ihn selbst entwickeln könnte, damit habe er selbst nicht gerechnet.
Power Plush
Power Plush wurden quasi „verkuppelt“. Wie es in einer Stadt wie Chemnitz meist so ist: Man kennt jemanden, der jemandem kennt, der wieder jemanden kennt. In diesem Fall ist es eine gemeinsame Freundin, der Anja (Bass, Gesang), Maria (Gitarre, Gesang) und Svenja (Gitarre, Gesang) unabhängig voneinander Anfang 2019 ihr Leid über fehlende Musiker:innen an ihrer Seite klangen. Kurzerhand werden die drei miteinander vernetzt und treffen sich auf ein Radler.
Die Chemie zwischen den jungen Frauen stimmt auf Anhieb und in gemeinsamen Jam-Sessions im WG-Zimmer wird nun getestet, ob auch man auch musikalisch auf derselben Welle surft. Dass dies absolut der Fall gewesen sein dürfte, verrät uns heute ein immer weiterwachsendes und sich stetig füllendes Spotify-Profil. Doch Power Plush sind kein Trio: Im Sommer 2020 werden die drei Frontfrauen, die sich bis heute die Position der „Frontsängerin“ teilen, von Nino, dem Drummer der Band, endlich komplettiert.
Heute stehen Power Plush für – der Name sagt es schon – plüschigen Indie-Pop, der sich durch harmonische und verträumte E-Gitarren, ein verspieltes Songwriting und mehrstimmige Vocals auszeichnet. Wir glauben, dass Power Plush mit ihrem unwiderstehlichen Sound absolut die richtigen Voraussetzungen haben, um spätestens im nächsten Festival-Sommer so richtig durchzustarten.
Verifiziert
Gemeinsam mit einer Reihe von österreichischen Artists wie Eli Preiss, Bibiza oder Makko begeistert die Wiener Newcomerin Verifiziert seit geraumer Zeit vor allem in Deutschland viele Hörer:innen. Auch wenn ihr Instagram-Account noch nicht „Verifiziert“ ist – ihr Sound ist es durch einige erfolgreiche Veröffentlichungen schon länger.
Mit ihrer unterschwelligen Cloud Pop-Stimme präsentiert sich Verifiziert gewohnt lässig und cool. Der eingängige Mix aus sphärischem Rap, zartem Lo-Fi und poppigen Refrains sorgt seit Beginn vergangenen Jahres für abwechslungsreichen, frischen Wind in der hiesigen Musikwelt.
Worin Verifizierts Geheimnis liegt, wird erst deutlich, weg von ihrer zarten Stimme auch einen Blick auf den Inhalt ihrer Songs wirft. Denn Veris Lyrics profitieren von ihrer ausgeprägten Beobachtungsgabe und der damit einhergehenden Detailverliebtheit. Mit ganz besonderem Fingerspitzengefühl romantisiert sie auch banale Alltagsgeschehnisse, ohne in den Kitsch abzudriften und fängt damit den Zeitgeist einer Generation ein.
Kid Kapri
Viel wissen wir nicht über kid kapri, aber hier mal die harten Fakten: Der Newcomer kommt aus Bremen, hat Stand jetzt erst zwei Songs veröffentlicht und wird 2022 komplett durchstarten. Die Grundlage dafür hat er sich in diesem Jahr geschaffen. Die beiden bisherigen Songs von kid kapri sind in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Florida Juicy entstanden. Diesen können wir wiederum genauer zuordnen, schließlich hat er in den letzten Jahren immer wieder für Mitglieder der Erotik Toy Records-Crew und zuletzt auch für die Wiener Newcomerin Verifiziert produziert.
Und auch für kid kapri liefert er zeitgenössische Beats mit absolutem Hit-Potenzial. „Crémant auf Eis“ ist eine locker-elektronische 2-Step-Tune mit melodischen Flows von kid kapri. So richtig explodiert der Hype um den Newcomer dann aber erst mit dem zweiten Song, „Mosaik“. Dieser schlägt mit seinem melancholischen Gitarren-Beat ganz in den aktuellen Trap-Zeitgeist. Mit abwechslungsreichen Flows zieht kid kapri lyrisch den Schlussstrich nach einer schmerzhaften Trennung. Das klingt frisch und unangestrengt, nach einem Song, der genauso auch in den USA funktionieren könnte. Bleibt nur abzuwarten, ob kid kapri diesen Niveau aufrecht erhalten kann und im kommenden Jahr einen weiteren Hit wie „Mosaik“ oder gleich ein längeres Projekt abliefert.
Eli Preiss
Eli Preiss hat es innerhalb eines Jahres geschafft zu einem der Aushängeschilder der aktuellen Rapszene Österreichs zu werden – und das natürlich nicht ohne Grund. So hat sich die Wienerin in der Corona-Zeit soundtechnisch von ihrem klassischen R&B der 90er- und 2000er-Jahre eher wegbewegt und stattdessen in Richtung modernerer, futuristischer Sounds neu erfunden – eine gute Entscheidung wie sich herausstellte.
Und obwohl sie ihr vielfältiger Sound eigentlich genreunabhängig aufstellt, findet die Künstlerin im Rap-Kosmos statt – was schon zu einigen spannenden Features geführt hat. So hat sie 2021 nicht nur ihr Debütalbum „F.E.L.T“ und die sehr persönliche EP „Wie Ich Bleib“ veröffentlicht, sondern auch durch Collaborationen mit unter anderem makko, Gola Gianni und Salò von sich reden gemacht.
Kev Koko
Die Musik von Kev Koko hat eine Metamorphose hinter sich. Gestartet ist der Produzent als Teil des Berliner Trios FJAAK, das für kompromisslosen, stampfenden Techno bekannt geworden ist. Nach seinem Austritt aus der Gruppe arbeitet Kev Koko mit dem Live From Earth-Kollektiv zusammen, sein Sound löst sich immer mehr vom rohen Club-Gehämmer und wandert leichtfüßig über Genre-Grenzen. So versorgt der Musiker inzwischen auch den Berliner Hip-Hop-Untergrund mit seinen Produktionen und hat bereits an Songs von makko, Symba und Pashanim mitgewirkt. Mit letzterem ist der Song „Pushe Packs“ entstanden, eine futuristische Fusion aus Hauptstadt-Trap und technoiden Trance-Klängen. Und auch seine Solo-Veröffentlichungen versprechen das nächste Jahr interessant zu machen – das legt zumindest Kev Kokos neueste Single „Roof“ nahe. Mehr denn je tritt er hier nicht nur als Produzent sondern auch Protagonist seiner Musik in Erscheinung. Mit Rockstar-Attitüde besingt er ein regelrechtes Synth-Gewitter, lyrisch kurz vor dem Sprung von der Dachkante. Kev Koko scheint es sich zum Auftrag gemacht zu haben, sich über jegliche Genre-Grenzen hinwegzusetzen – und für diese Mission sind wir 2022 definitiv zu haben.
Wet Leg
Im Sommer dieses Jahres weht auf einmal ein frischer Indie-Wind von der britischen Isle of Wight rüber zu uns nach Deutschland: Mit Wet Leg hat sich der nächste helle Stern am Newcommer:innen-Himmel aufgetan. Das Indiepop-Duo bestehend aus den Freundinnen Rhian Teasdale und Hester Chambers sorgt mit aufwirbelndem, dynamischen Indie-Rock-Gitarren-Sound für eine neuartige Facette ihres beheimateten Genres. Diese zeigt sich einerseits in einer ganz besonderen, leicht angenervten Art, welche die beiden bei ihrem Gesang an den Tag legen. Aber auch die teils absurde, wenn auch sehr kreative Herangehensweise des Duos an Musikvideos ist erfrischend grenzenlos.
Denn ob mit Strohhüten auf dem Schaukelstuhl, als Krabben im Kornfeld oder Außerirdische mit Bademänteln – Wet Leg wissen ihre Songs einzigartig zu inszenieren. Sie zeigen mit einem scheinbar angeborenen, jugendlichen Verständnis für Indie-Sounds, dass analoge Rockmusik auch 2021 alles andere als ausgestorben ist. Und auch wenn bislang erst ein paar Singles der Britinnen bekannt sind, hat das Duo bereits einen Senkrechtstart in der Indie-Szene hingelegt, den es nun mit einem Debütalbum auszubauen gilt – weshalb wir die Musikerinnen im nächsten Jahr mit Sicherheit im Auge behalten werden.
Viko63
Elektronische Musik ist im deutschen Rap-Game angekommen und geht so schnell nicht mehr weg. Kaum einer hat das so verinnerlicht wie Newcomer Viko63, der mit seinem Produzenten und Freund penglord im vergangenen Jahr die Hip-Hop-Szene quasi über Nacht gestürmt hat. Schon seit einiger Zeit feilen die beiden im südwestlichsten Zipfel Deutschlands, dem beschaulichen Lörrach, an ihrem Sound zwischen Rap, House und Elektro. Erst 2021 ist es dann aber soweit und der große Hype bricht los: Songs wie „Sauf Sport Balance“ und „Mucho Gusto“ spülen Viko63 auf die Startseite von zahlreichen Tiktok-Usern und werden zu viralen Hits. Die Inspiration dafür stammt aus dem frühen Werk von Cloudrap-Vorreitern wie Yung Hurn genau wie aus der Rave-Kultur im nahen Basel – eine Mischung, die gut aufgeht.
Remi Wolf
Remi Wolf hat Großes vor. Die Musikerin aus Kalifornien ist der Prototyp einer neuen Generation von Popstars, für die es vollkommen selbstverständlich ist, heute dies und morgen das zu machen. Seit 2019 veröffentlicht Remi offiziell ihre Musik und hat erst kürzlich ihr Debüt-Album „Juno“ herausgebracht. Das gesamte Schaffen der Sängerin kommt spielerisch und locker daher, von Soul über Funk bis hin zu Hip-Hop ist alles dabei und wird zu Remis speziellem Entwurf von Pop-Musik verarbeitet. Damit hat sie schnell Fans und Freund:innen in der Musikindustrie gefunden: Dominic Fike, Beck sowie Polo & Pan zählen zu den vielen Künstler:innen, mit denen Remi bereits gearbeitet hat. Sie hat eine großartige Stimme, die perfekt in ihren aktuellen farbenfrohen Kosmos passt, genau so aber auch in Zukunft im Kontext von erwachseneren Projekten vorstellbar ist. Vor allem hat Remi Wolf ganz klar einen Faktor, der für gute Musik quasi unabdingbar ist, aber häufig irgendwo auf dem Weg verloren geht: Spaß.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
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Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.