Die fünf besten „Sonnenbank Flavour“ Referenzen der letzten Jahre
Anis Ferchichi aka Bushido, ist mittlerweile durch diverse Skandale in der sonst so krediblen Deutschrap-Bubble ziemlich in Verruf geraten. Ausflüge ins Trash-TV, Boulevard-Schlagzeilen und die kürzlich bekanntgegebene Position als Juror beim Casting-Format DSDS fundieren diese Entwicklung nur noch weiter.
Trotz alledem war der Rapper ein entscheidender Grundstein für die deutsche Hip-Hop-Szene. Anfang der 2000er brachte er zusammen mit Kult-Label Aggro Berlin erstmals einen düsteren Stil, geprägt von vulgärer Sprache und Gewaltverherrlichung in den Mainstream. Beeinflusst durch Vorbilder von der US-amerikanischen Ostküste, wie Big L und Mobb Deep, legten Bushido und Wegbegleiter (sowie spätere Feinde) wie Fler und Sido Wert darauf, auch soundtechnisch eine dunklere Richtung einzuschlagen und sich vom Boom-Bap dominierten deutschen Hip-Hop der 90er zu entfernen: Straßenrap war in Deutschland geboren.
Bushido: Freundliche Grüße aus dem Solarium
Mit „Sonnenbank Flavour“ wagte Bushido in dieser Hinsicht ein Experiment – und das mit vollem Erfolg. Die scheinbar sinnlose Aneinanderreihung von Substantiven, wie er sie auf dem Song fast pausenlos durchzieht, war 2006 zwar kein Novum (siehe „MFG“ – Die Fantastischen Vier (1999)), erlangte aber durch den Rapper größere Bekanntheit. Offiziell nicht bestätigt, behaupten jedoch mehrere Akteure wie Kay One und Ex-Manager Arafat Abou-Chaker, dass der Text nicht von Bushido, sondern von Eko Fresh gedichtet wurde.
„Hautcreme, Haarwachs, Nikotin, Alkohol“. Fast zwanzig Jahre nach Veröffentlichung ist „Sonnenbank Flavour“ mehr als bloß ein Song. Er vermittelt ein bestimmtes, Nostalgie-besetztes Lebensgefühl. Die Kommentarspalte des YouTube-Videos liest sich mittlerweile wie ein Klassentreffen, bei dem alte Freund:innen von vergangenen Tagen schwärmen. An diesem Eindruck anknüpfend, kam es vor allem in den letzten zwei Jahren vermehrt vor, dass auch die nächste Generation deutscher Artists den Klassiker in ihren Songs referenziert haben:
1. Pashanim
Die Musik des Berliners wird getragen vom nostalgischen Zeitgeist der 2000er und thematisiert in großen Teilen Pashanims Jugend. Nicht ohne Grund hat er auch sein Debütalbum „2000“ danach benannt. Kein Wunder also, dass er sich gleich zweimal auf „Sonnenbank Flavour“ bezogen hat.
Auf „Mittelmeer“ – der ersten Album-Single von „2000“ – verwendet Producer Stickle das gleiche atmosphärische Sample wie Bushido 18 Jahre zuvor: „Epitaph“ der britischen Rock-Band Antimatter. Damit zollt Pashanim nicht nur Bushidos Flip des Samples Tribut, sondern erzeugt auch einen ähnlichen Effekt, der einen in Gedanken an kindliche Autofahrten in Richtung Sommerurlaub versinken lässt.
Auf „Kleiner Prinz“ hingegen zitiert er Bushido mit den Zeilen „Hautcreme, Haarwachs, Nikotin, Alkohol / Alle Kids überall gehen raus, Album hol’n“ direkt. Beim Liebeslied an Berlin-Kreuzberg, die Gegend in der Pasha aufgewachsen ist, passt ein Track, der damals die Jugend prägte, natürlich wie die Faust aufs Auge.
Beide Pashanim-Songs entstammen übrigens den Händen von Starproducer-Stickle. Dieser hatte zu Beginn von Bushidos Karriere auch mit ihm zusammengearbeitet und war eine Zeitlang sogar bei dessen Label Ersguterjunge unter Vertrag. Mit diesem Sample-Pick schuf er sich also einen eigenen Full-Circle-Moment und verband damit zwei Generationen des Berliner Deutschraps.
2. Zsá Zsá und TYM
Zsá Zsás viraler Song „bad bunnies“, den wir kürzlich erst zum Sommerhit gekürt haben, bedient sich in den Parts ebenfalls an dem bewährten Aufzähl-Flow, lässt sich stilistisch aber eher zeitgenössischen Einflüssen zuordnen. „AirDrop, Klingelton, Minirock, hitzefrei / 808 zu hart, Backstage, kеin Schlaf“.
Beim Stichwort „Airdrop“ wurde Musiker Tym direkt hellhörig. Laut ihm habe sich Zsá Zsá von seinem gleichnamigen Song mit Tr1esch mehr als nur inspirieren lassen und machte seine Wut via Instagram-Story publik. Zusätzlich wies er darauf hin, dass Replay Okay, Produzent und Writer von Zsá Zsá, ihn vor einiger Zeit signen wollte. Tym, der das Angebot damals abgelehnt hat, fand die offensichtliche Ähnlichkeit der beiden Lieder in Bezug auf diese Affäre sehr auffällig. Fakt ist, dass „bad bunnies“ zwar einzelne Wortelemente aus „AirDrop“ wiederholt, Tym aber diesen bestimmten Flow natürlich nicht erfunden hat. Kleiner Sidefact: Tym und Zsá Zsá haben 2023 bereits den gemeinsamen Song „Zsazsimyself“ veröffentlicht – damals aber noch auf Englisch.
3. Whitey en vogue
Bushido verwendete den Begriff auf „Sonnenbank Flavour“ damals noch als Beleidigung. Dass es damit heute anders aussieht, findet auch Whitey en vogue. Dieser lässt sich das alles andere als gefallen und dreht die Konnotation auf dem von Robbensohn produzierten Song „Alle Raver“ kurzerhand um. Über einem lockeren 4-to-the-Floor-Beat heißt es dann nämlich: „Bushido hatte Recht, er sagte, wir sind alle Raver, alle Raver“
4. Souly
Das jüngst erschienene Debütalbum von Souly „Traence“ ist gespickt mit Deutschrap-Referenzen von Celo & Abdi über Nimo und Ufo361 bis zu Bushido. Während der Rapper auf „Kronleuchter“ die bekannte Line leicht abgewandelt hat – „Hautcreme, Haarwachs, Nikotin, Dom Perrier“ – taucht „Sonnenbank Flavour“ auf „Kann nicht warten“ deutlich prominenter auf.
Zum einen erinnert sein abgehackter Flow hier an den von Bushido, da Souly teilweise auch assoziative Begriffe aneinanderreiht. Der Einfluss von Playboi Cartis „No.9“ ist jedoch präsenter. Zum anderen wirken Zeilen wie „Hautcreme, Haarwachs, All-white Nasen / Haben, brauchen, keine Relation / Alle gehen raus, Album hol’n“ fast schon beschwörend.
5. YAKARY
Bei einem Blick auf den Titel „sonnenbank.mp3“ wird klar, dass Yakary ebenfalls den Song von Antimatter gesamplet hat. Seine Version ist jedoch deutlich schneller und bewegt sich mehr in die Richtung von melodischem Trap.
Wer genau hinhört, kann sogar noch einen weiteren Deutschrap-Klassiker raushören. Die Hook von „sonnenbank.mp3“ basiert auf der von Adel Tawil aus dem 2005 erschienenen „Prison Break Anthem (Ich glaub an dich)“ mit Azad. Der Song wurde damals für RTL als Titelmusik der deutschen Ausgabe der Action-Serie produziert.
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