Empfehlung des Tages: Wesley Joseph – Blinded
Wesley Joseph ist ein britischer Rapper, Produzent und Filmemacher. Mit seinem ersten eigenen Projekt „ULTRAMARINE“ veröffentlichte er 2021 eine EP, die mit sorgfältig arrangierten Tracks wie „the Bloom“ und „Patience“ sofort Eindruck hinterließ. Auf letzterer Single war mit Jorja Smith auch ein besonders hochkarätiges Feature zu hören. Zufall? Natürlich nicht!
Bevor er selbst ins Rampenlicht rückte, arbeitete Wesley als Produzent für sein Kollektiv „OG Horse“. Zu diesem gehörte – surprise – auch seine langjährige Freundin Jorja Smith. Die Sängerin stellte 2018 mit ihrem Song „Blue Lights“ die R&B-Welt auf den Kopf und ist mittlerweile eine fest verankerte Größe in UK und darüber hinaus. Wesley Joseph kommt also aus einer Szene, die schon seit Jahren konstant höchste Qualität liefert. Zuletzt veröffentlichte er die drei neuen Singles „Pluto Baby“, „Peace of Mind“ und „If Time Could Talk“. Die Single „Blinded“ wurde nun zusammen mit seinem Debütalbum „Forever Ends Someday“ veröffentlicht.
Wesley Josephs hypnotischer Sound zwischen Rap und Introspektive
Sein Markenzeichen, ein fast schon magischer Soundteppich aus Hip-Hop-, Funk-, Soul- und Ambient-Einflüssen, findet sich auch in der neuesten Single „Blinded“ wieder. Wesley klingt verletzlich, sein Sound intim. Ein vielschichtiger Beat wird von simplen, aber präzise gesetzten Drums getragen. Volle, warme und weit vibrierende Klangflächen sorgen für den vertrauten Gänsehaut-Effekt.
In Wesley Josephs Tracks hört man die Liebe zum Detail. Alle paar Sekunden taucht ein neues Element auf: gleißende Sound-Glitches, Streicher oder ein leises Klavier. Hochgepitchte Stimmen dienen als Adlibs, während der Gesang in einer selbst eingesungenen Symphonie übereinandergelegt wird und hypnotisch im Raum schwebt. So entsteht ein mitreißender Song, dessen Sog auch nach dem zehnten Hören nicht nachlässt. Sobald Wesley zu rappen beginnt, wird der Beat minimalistischer und seine Worte rücken ins Rampenlicht.
Inhaltlich richtet sich der Fokus weniger auf klassisches Storytelling als auf Gefühle und diffuse Erinnerungen. Vielleicht kommt genau hier dann auch Wesleys ursprüngliche Ausbildung als Filmemacher durch: „Embrace pain like a raincoat“. Seine Sprache ist poetisch, abstrakt und bildhaft. Mit sanftem Flow rappt er in „Blinded“ über innere Zerrissenheit und das Gefühl, geblendet zu sein und dadurch vom eigenen Weg abzukommen: „It’s like a picture fading and the lights are gone“. Auch Familie nimmt dabei immer wieder eine große Rolle ein: „If I hit the ground before i touch the sun / for my brother’s sake just keep it going“. Im Outro hört man Aufnahmen von Verkehr, ein Feuerzeug, das Ausatmen von Rauch. Dann kehrt die zuvor angedeutete Klaviermelodie zurück und der Text verdichtet sich zu einem letzten nachklingenden Satz: „just keep it going“.
Wesleys Debütalbum ist ganze fünf Jahre nach seiner ersten EP erschienen. Der Künstler selbst beschreibt das Release als eine Art Coming-of-Age-Projekt, geprägt von tiefer Reflexion, Retro- und Introspektive. Auch visuell hat Wesley einiges geplant. Neben den schon vorab veröffentlichten Musikvideos zu „Pluto Baby“ und „If Time Could Talk“ begleiten das Album noch weitere filmische Projekte. Jorja Smith taucht außerdem als Feature auf dem Track „July“ auf und die beiden Artists lassen ihre langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit Revue passieren.
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