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Maßlosigkeit wird zu Realness: LGoony und sein eisiges Paralleluniversum

Posted in: Features
Tagged: Money BoyLGoony

Auf Twitter wie in seiner Musik malt sich LGoony seine eigene Realität: Er ist einer der einflussreichsten Vierzehnjährigen der Welt, trägt fast überwiegend Klamotten von Gucci und Louis Vuitton, fährt so viele Lambos, dass man sie schon nicht mehr zählen kann und ist ganz nebenbei Ghostwriter von Angela Merkel. „Kein Mensch ist so, wie er sich gibt. Warum dann nicht All-In gehen und alles machen dürfen“ so äußert sich der Kölner gegenüber dem Bayrischen Rundfunk und fasst vereinfachend zusammen, womit sich manch ein Soziologe sein ganzes Leben beschäftigt. Wenn man LGoony in Videoformaten wie „Was geht Deutschland?“ mit Hazel Brugger über das Openair Frauenfeld schlendern sieht, beobachtet man einen schüchternen jungen Mann, der wenig Wert auf teure Klamotten legt und lachen muss, wenn man ihm ernste Fragen über seine Rapkarriere stellt. Nur in seiner Musik kann sich der Rapper in ein Paralleluniversum teleportieren und alles sein, was seine Vorstellungskraft hergibt. Damit hebt er einen Realness-Begriff, der bis vor einigen Jahren noch vorherrschte, komplett aus den Angeln. Ludwig Langer, wie LGoony mit bürgerlichem Namen heißt, fing sehr früh an, sich mit HipHop auseinanderzusetzen. 2010 entdeckte er dann den österreichischen Rapper Moneyboy. Mit seinem damaligen Hit „Dreh den Swag auf“ wurde er in kürzester Zeit zum Phänomen der deutschen HipHop-Szene. Ein protziger Gangsterrapper ohne Migrationshintergrund und ohne kriminelle Vergangenheit, dafür mit Schulabschluss und sogar einem Magister in Publizistik und Kommunikationswissenschaften. LGoony fand schnell gefallen an der Attitüde des Wieners und schloss sich dem „Swag Mob“ an, einem Movement auf Facebook, was sich an amerikanischen Rappern wie Soulja Boy, Chief Keef und Lil B orientierte und die Welle nach Deutschland brachte. Dort entstand eine Verbindung zu Money Boys „Glo Up Dinero Gang“. 2014 startete Ludwig dann als LGoony seine Rapkarriere mit dem legendären Musikvideo zu seinem Song „Millionen Euro“.

LGoony – Millionen Euro

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Im Video wirft ein schmächtiger Junge mit Fake-Geldscheinen um sich und bewegt dazu unkoordiniert seine Arme. Hauptaussage: LGoony hat ne Menge Kohle und kann sich alles kaufen, ohne auf Preisschilder schauen zu müssen. Unendlicher Reichtum ist bis heute eine Kernaussage von LGoonys Tracks. Soundtechnisch hat er sich in seinen Mixtapes immer an Stimmungen und Umgebungen orientiert. „Intergalactica“ und „Aurora“ mit Crack Ignaz waren futuristische Tapes mit epischen Hintergrundsounds direkt aus dem Weltall. Das 2019 erschienene „Lightcore“-Tape spielt in der Großstadt bei Nacht. Das „Comeback“ handelte vom Aufstehen um 13 Uhr um vom Hustle bis tief in die Nacht. Unabhängig zu sein und immer machen zu können, worauf er Lust hat, war LGoony immer sehr wichtig. Ein Vertrag bei einem Label oder der verbindliche Anschluss an eine bereits bestehende Gang war für ihn daher keine Option. Stattdessen gründete er 2017 seine eigene Lichtgang zusammen mit Yung Isvvc und James Jetski und konnte sich so auch musikalisch in Köln ein Umfeld schaffen.

LGoony – Allein gegen Alle

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Dass LGoony unabhängig ist, macht er sich regelmäßig in seinen Tracks zu Nutze. Ungefiltert kommentiert er die Rapszene, wie auch als Featuregast in „Aber nein“ auf Kummers Album „Kiox“. „Alle deine Beats geklaut, alle deine Klicks gekauft“wettert er gegen den ein oder anderen Instagram-Rapper. Als strenger Beobachter der Szene präsentiert sich LGoony auch auf seinem neuen Mixtape „Frost Forever“. „Rapper ändern für den Algorithmus ihren Sound. Playlisten-Rassismus, wenn du anders bist, dann bist du raus“ kritisiert er auf seinem Track „Allein gegen den Rest“. Neben ehrlichen Liedern finden sich auch leichtere Songs wie „Juni“, „Audemars“ und „Rihanna“, in denen LGoony seine Ironie auf die Spitze treibt. In den Musikvideos macht er sich nicht nur über Mark Forster und DSDS lustig, sondern nimmt sich selber auch auf die Schippe.

LGoony – Rihanna

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„Frost Forever“ bietet ein breites Spektrum an allem, was das Internet-Phänomen LGoony in den letzten sechs Jahren ausgemacht hat. Seine Featuregäste sind mit Money Boy, Young Kira und Juicy Gay alles alte Weggefährten und Mitverantwortliche für die große Neuorientierung von Deutschrap. In dieser neuen Rap-Ära hat sich LGoony über die Jahre als feste Instanz etabliert. Auch wenn es in den Texten nicht so klingt – die Musik ist ihm dabei immer am wichtigsten. In seinen Musikvideos trägt er noch immer die dreckigen Adidas-Sneaker und NoName-Klamotten. Dieser Kontrast nagt nicht etwa an seiner Glaubwürdigkeit, sondern zeigt, dass Musik eine Kunstform ist und LGoony ein einzigartiger Künstler.

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