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Von Styles bis Sivan: Vier Pop-Prinzen unserer emanzipierten Moderne

Posted in: Features
Tagged: Harry Styles

Conan Gray – The Story

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Nicht erst seit dem TikTok-Hit „Maniac“ wird Conan als einer der vielversprechendsten Künstler weltweit gefeiert. 2017 erschien die erste Single des jungen Amerikaners „Idle Town“, worauf die „Sunset Seasons“-EP folgte. Nun veröffentlichte er sein Debütalbum „Kid Krow, nachdem der Instagram-Star mit „Panic! at the Disco“ auf Stadiontournee und ebenso mit „Girl in Red“ auf Tour war. Während er im Musikbusiness noch als Newcomer durchgeht, zählt der Texaner auf YouTube schon zum „alten Eisen“. Bereits mit zwölf Jahren startete Conan seine YouTube-Präsenz mitsamt Challenges, Vlogs und Cover – was eben so zu sehen war auf einem 2000er YouTube-Kanal. Mittlerweile aber sind nicht nur die Karriere startenden YouTube-Videos als Arbeitsproben anzuführen, viel mehr hat Gray mit „Kid Krow“ seit einer Woche sein Debüt-Album draußen und zusammen mit seiner EP „Sunset Season“ aus 2018 eine Diskografie zu verbuchen, die ihn schlussendlich als Pop-Prinzen qualifiziert. Zwischen Teenager-Liebe und Desinteresse, misslungener Selbsteinschätzung unter dem Deckmantel Coming-Of-Age – Grays Texte lassen nicht selten Rückschlüsse auf sein Innerstes zu. Anstatt sich als allgemein anerkannte Person des öffentlichen Lebens zu inszenieren, geht Conan ehrlich mit Ablehnung um, macht sich verletzlich. Und nicht zuletzt auch mindestens zu einem Ally der LGBTQ+-Community. „When I was younger, I knew a boy and a boy, best friends of each other but wished they were more“ heißt es in „The Story“. In wie fern Conan vielleich sogar über sich aus der dritten Person erzählt, oder wortwörtlich das Schicksal zweier Freunde schildert, soll an dieser Stelle gar nicht die zu stellende Frage sein. In einer noch viel zu heteronormativen Gesellschaft, wird jeder Liebessong, der nicht das Aufeinandertreffen von Mann und Frau verhandelt, dringend gebraucht – oder in Grays Worten „Let me tell you a story about a boy and a girl. It’s kinda short, kinda boring, but the end is a whirl“.

Troye Sivan – Bloom

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Während Gray sich als Ally der Queer-Community begreift, ist mit Troye der Einzige in dieser Pop-Prinzen-Reihe aufgezählt, der sich selbst als Teil jener Szene begreift. Dass queere Themen, wie etwa sein Coming Out, also in den Inhalten seiner Musik stattfinden, erklärt sich somit von selbst. 2013 outet sich der damals 18-jährige vor einem Millionenpublikum auf der Plattform YouTube, auf der er sich zum damaligen Zeitpunkt schon eine beachtliche Fanbase erarbeitet hatte. Zwei Jahre später dann, soll nach eingetütetem Major-Deal das Debütalbum folgen. „Blue Neighbourhood“ ist ein musikalischer Spagat zwischen unbändiger Romantik und nahegehender Verzweiflung, die mit dem Dasein des „Lost Boy“ einhergehen. 2018 erscheint mit „Bloom“ nicht nur ein wesentlicher musikalischer Fortschritt, auch im Rahmen seines Coming Outs und seiner sexuellen Identität, scheint Sivan nunmehr mit der Festigung seiner selbst beschäftigt zu sein. Während das Debüt mit Songs wie „Heaven“, oder „Lost Boy“ noch folgende Zeilen enthält: „Without losing a piece of me, how do I get to heaven“, oder „I am just a lost boy, not ready to be found“, ist Troye drei Jahre später wortwörtlich aufgeblüht. Minimale, elektronische Untermalungen und seichte Synthies, die ein modernes Pop-Album voller lebensbejahender Queer-Hymnen ergeben.

Lauv – Modern Loneliness

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Wenn schon die Rede von Troy Sivan ist, soll auch der folgende Prinzen-Anwärter nur einen Scroll weit entfernt sein: Lauv. Anfang März erst ist mit „Modern Loneliness“ das Debütalbum des Künstlers erschienen, darauf auch der gemeinsame Song mit Sivan „I’m so tired“. Bei einem einzigen Blick auf die Trackliste des Albums inklusive Titel, dürfte deutlich werden, warum auch Lauv es in diese Aufzählung geschafft hat. „fuck, i’m lonely“, „Lonely Eyes“, „Feelings“, „Sad Forever“, „Modern Loneliness“ – mit Einsam- und Verletzbarkeit wird nicht sparsam umgegangen, vielmehr werden sie als emotionale Grunsätze unserer Genretion definiert. Die detiallierte Auseinandersetzung mit der eigenen, facettenreichen Gefühls-Bandbreite kommt außerdem an folgender Stelle zum Ausdruck – „Sims“. Lauv teilt die Welt seiner Emotionen in sechs verschiedene ein, jede von ihnen gekennzeichnet durch eine andere Farbe und einen anderen, dominierenden Charakterzug. Anstelle von männlicher Überlegenheit sind Selbstzweifel, sowie der öffentliche Umgang mit seinen Depressionen an der Tagesordnung. Perspektiven, die zeitgemäße Popmusik mehr als verlangt.

Harry Styles – Falling

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Schlaghosen, Netzstrumpfhosen, Perlenketten, Strickpullover mit Küken-Motiv, durchsichtige Seiden-Blusen, Glitzer-Einteiler – die wenigsten heterosexuellen Akteuere der Musikszene können diese Auswahl an Klamotten zu ihren Red-Carpet-Outfits zählen, Harry Styles hingegen schon. Das ehemalige Boyband-Mitglied stellt mit jedem seiner Outfits und Auftritte in der Öffentlichkeit herkömmliche Geschlechterdefinitionen in Frage. Warum denn nicht das Cover eines UK-Magazins ausschließlich in Netzstrumpfhose und Lackschuhe gekleidet zieren, ja warum denn nicht? Wenn man Styles in Seide, Chiffon und Tüll über die roten Teppiche der Welt spazieren sieht, scheint eines der berühmtesten Allzweckmittel gegen toxische Männlichkeit gefunden. Während infolge dieser Outfits vermehrt Boulevard-Medien die bisher bekannte sexuelle Orientierung des Musikers infrage stellten (denn Männer in Seide gekleidet, stehen in der Regel kurz vor ihrem Outing), lässt sich Harry nicht zu einem Statment über seine geschlechtliche Vorliebe herab. Als Ally der Queer-Community aber fungiert er umso mehr, wenn er seinen eigenen Fans auf Konzerten zum Outing via Telefon verhilft, dokumentiert unter dem YouTube-Titel „Tina, she’s gay“. Aber nicht nur modetechnisch ist Harry seinen Ex-Bandmitgliedern, eigentlich sogar zwei Dritteln der Musikbranche weit voraus – auch musikalisch wird männliche Überlegenheit durch Verletzbarkeit und ein Eingeständnis der eigenen Schwäche ersetzt. Wenn es auf „Falling“ heißt, „I’m well aware, I write too many songs about you“ ist das nicht nur ein nachträglich eingereichtes Liebesgeständnis, sondern auch ein Stück ausgesprochene Selbstaufgabe, die der Popmusik mehr als gut tut.

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