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Warum das Dschungelcamp mehr als (m)ein Guilty Pleasure ist

Posted in: Features

„Ich bin ein Star, Holt mich hier raaaaaaaus!“ – wer bei diesen Worten auch an den euphorischen Zwei-Personen-Jubelchor von Sonja Zwietlow und Daniel Hartwich denkt, der ist – ganz richtig – bei RTL gelandet: Deutschlands Resterampe für alles was C-Promi-Status hat oder auf dem besten Weg dorthin ist. Aber ganz egal ob durch eine jahrelange Public-Viewing-Tradition oder wegen eures ungesunden Schlafrhythmus: Auch 2022 kommt mal wieder kaum jemand an der 15. Staffel des Dschungelcamps vorbei – mich eingeschlossen. 

Kopf aus, Dschungel an

Aber wieso muss ich mich eigentlich jedes Jahr aus Neue vor Freund:innen und Kolleg:innen für mein Reality-TV-Konsum rechtfertigen und laufe hoch rot an, wenn ich zwischen Redaktionssitzung und Küchen-Plausch mal wieder über die vergeigte Dschungelprüfung von Star XY herziehen möchte? Ich bin mir fast sicher, dass jede:r doch (mindestens) ein „Guilty Pleasure“ hat, wenn es um Formate wie „Ex on the beach“, „Are You The One?“, „Germany’s next Topmodel“ oder „Too hot to handle“ geht (um nur einige wenige zu nennen).

Und ja, ich benutze ganz bewusst das Wort „Guilty Pleasure“, denn leider scheint es von 80 Prozent meines Umfeldes oft noch als genau das angesehen zu werden. Ich bin da völlig anderer Meinung: Wenn mich Reality Shows unterhalten und ich bei all dem, was auf der Welt so los ist, mal für wenige Stunden in der Woche den Kopf ausschalten kann und mich einfach berieseln lasse, wieso muss ich mich dafür schämen? Shows wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ (IBES) sind doch genau dafür gemacht. Und nur weil ich deutschen C-Promis dabei zusehen, wie sie Fischaugen verspeisen, sich um die Schichten der Nachtwache am Lagerfeuer fetzen und sich gegenseitig vorwerfen, „fake“ zu sein, heißt das noch lange nicht, dass ich Dinge wie das politische Weltgeschehen nicht trotzdem verfolgen und einordnen kann (der täglichen Dschungelcamp-Unterbrechung durch RTL Direkt sei Dank!).

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Trash, Tränen und Tacheles

Und sein wir mal ehrlich, denn manchmal können wir vom Dschungelcamp sogar noch etwas lernen. In diesem Jahr ganz hoch im Kurs: Der respektvolle und tolerante Umgang mit unseren Mitmenschen, denn in der 15. Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ gab es zum ersten Mal einen Rauswurf aufgrund einer rassistischen Äußerung. Bei einem Streit zwischen Janina Youssefian und Linda Nobat warfen sich die beiden Camperinnen allerhand Beleidigungen an den Kopf, doch mit dem Satz „Geh doch in den Busch wieder, wo du herkommst“ von Janina, wurde sie nicht mehr nur ausfallend, sondern rassistisch. Hier bezog der Sender eine klare Position und teilte den restlichen Dschungelbewohner:innen unverzüglich mit: „Wir müssen euch mitteilen, dass so Äußerungen wie die von Janina nicht toleriert werden können. Janina muss das Camp verlassen.“ Damit zeigt ein Trash-TV-Format, das normalerweise von Vorurteilen und Klischees lebt, Haltung und dass hier ganz klare Grenzen überschritten wurden.

Doch für Staffel 15 war das nicht die einzige Premiere. In diesem Jahr hielt das Dschungelcamp schon einige erste Male für uns bereit: Das erste Mal IBES in Südafrika. Der erste Staffel-Start mit nur elf statt zwölf Camper:innen. Und zum ersten Mal verweigert ein Camper aus Trotz und Missgunst die Teilnahme an der Dschungel-Prüfung, nur um seinen Mitstreiter:innen zu schaden (Eric Stehfest, Folge 10). Zwar haben die übrigen Dschungelbewohner:innen nur noch knapp 5 Tage (Finale am Samstag, 05. Februar) Zeit, um sich als perfekte Anwärter:innen auf die Dschungelkrone zu präsentieren, doch wer weiß, was da noch auf uns zukommt.

The Disco Boys – Around The World (DAZZ Remix)

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Sicherlich noch einige musikalische Highlights, denn für mich ist das Dschungelcamp nicht das Dschungelcamp ohne einen vernünftigen Soundtrack. Zugegeben, bei dem aktuellen Staffel-Song „Around The World“ im DAZZ Remix von The Disco Boys hat die IBES Redaktion leider etwas danebengegriffen. Schon der originale ATC-Song “Around The World (La La La La La)“ aus dem Jahr 2000 sorgt bei mir weniger für Nostalgie, sondern mehr für einen nervigen Dauerohrwurm, aber The Disco Boys haben diesen (bedauerlichen) Evergreen mit ihrem aktuellen Remix auf ein ganz neues Level der Nervigkeit gehoben. Mit Erfolg, denn auch in meinem Kopf ertönt jetzt ganz automatisch vor jeder Werbeunterbrechung die Melodie: „La La La La La, it’s all around the world“

Dabei gibt es alle Jahre wieder und auch in dieser Staffel innerhalb der Show den ein oder anderen Höhepunkt in der Dschungelplaylist (bei musikfreitag.com findet ihr tagesaktuelle Listen mit allen Dschungelsongs 2022). Ganz vorne mit dabei „Danke Merkel“ von K.I.Z, „Are You Bored Yet?“ von Wallows oder Stromaes aktuelle Single „L’enfer“, die es in die Auftaktfolge von IBES 2022 geschafft haben. Und selbst in der heimischen Musikszene scheint sich der Sender bestens auszukennen, denn auch der Indie-Pop-Song „C’est Ma Vie“ der Kölner Band Sparkling hat es zu meiner Überraschung in diesem Jahr in den Dschungel geschafft.

K.I.Z – Danke Merkel

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Neben aktuellen Hits und „All-Time-Dschungelcamp-Favoriten“ wie „Willkommen im Dschungel“ von Bilderbuch fällt mir bei dieser Staffel auch immer wieder auf, wie sich TikTok-Hits in das Format schleichen. Dementsprechend laufen phasenweise unzählige TikTok Trends vor meinem inneren Auge ab, wenn „Je te laisserai de mots“ von Patrick Watson, Antje Schomakers „Ich Muss Gar Nichts“ oder der Squid Game-Serien-Soundtrack ertönt. Der 2021er Netflix-Kassenschlager ist übrigens nicht der Einzige, der dem Dschungelcamp in diesem Jahr seine Titelmelodie leiht. Auch Teile der Musik der deutschen Erfolgsserien „DARK“ sorgten 2022 für einige mystische Augenblicke in der südafrikanischen Wildnis.

Ich muss sagen, dass mich dieses musikalisch wirklich extrem abwechslungsreiche Potpurri von IBES immer wieder erstaunt und – wenn auch nur kurz – während der Show mal etwas genauer aufhorchen lässt. Und ja, auch wenn ich das Dschungelcamp Jahr für Jahr natürlich überwiegend aufgrund seines unterhaltsamen und trashigen Charakters schauen, so würde ich doch behaupten, dass die Musikauswahl der Sendung einen nicht ganz unwichtigen Teil zu dieser Unterhaltung beiträgt. In diesem Sinne würde ich gerne unbekannterweise einen kleinen Gruß an die Musikredaktion von IBES rausschicken und meine Unterstützung für die nächste Staffel ankündigen. Ich glaube, ich hätte da noch ein paar echte Schätze im petto.  

Dschungelcamp 2022 – Die Playlist zur Sendung von Musikfreitag.com

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