Album der Woche: Dijon – „Baby“
Der Lieblingsartist deines Lieblingsartist ist zurück! Nach seiner Mitarbeit an zwei der wohl wichtigsten und interessantesten Alben in diesem Jahr – Bon Ivers „SABLE, fABLE“ und Justin Biebers „SWAG“ – setzt Dijon dieser Reihe an Veröffentlichungen mit dem Release seines zweiten Albums „Baby“ die Krone auf.
Ein Albumtitel aus vier Buchstaben, der in seiner Kürze alle Themen abgreift, die auf dem Werk Platz finden: Es geht zunächst um die Beziehung des Singer-Songwriters aus Baltimore zu seiner Frau Joanna, die Vorstellung davon, gemeinsam eine Familie zu gründen, der Auseinandersetzung mit dem Vatersein und schließlich die Geburt seines Sohnes, der den Namen „Baby“ trägt.
Das Album beginnt mit dem smoothen Track „Baby!“, der mit Gesprächsschnipseln, Babygeräuschen und anderen Snippets und Loops das Album eröffnet, als würde es die ersten Momente im Leben eines Kindes und Dijons neuem Dasein als Vater abbilden. Der folgende Track „Another Baby!“ wechselt die Stimmung, während er im gleichen Thema bleibt. Der Prince-ähnliche 80s-Beat weitet so das Gefühlsspektrum, das mit der neuen Rolle als Vater kommt weiter aus.
Dieser Wechsel durchzieht das gesamte Album. Immer wieder springt es auf „Baby“ zwischen Pop-Layern, Gospel-Einflüssen und diesem experimentellen Dijon-Sound, den man schon von seinem Debüt „Absolutely“ kennt – fast wie zwischen der Ekstase und Angst, Vater zu werden. Track Nummer fünf „Yamaha“ ist vielleicht die beste Repräsentation dieser Zusammenstellung. Der Song erinnert an „Many Times“ aus „Absolutely“. Nur dieses Mal fühlt sich das musikalische Chaos kontrolliert und geführt an.
Dijon: Kohärentes Chaos
Im Generellen steht „Baby“ mit seinem experimentellen Sound im Gegensatz zu Dijons weicheren, geordneten Beiträgen auf „SWAG“. „Baby“ erinnert in seiner Experimentalität eher an Bon Ivers „22, A Million“, aber mit diesem Frank Ocean-igen Gefühl, sich in einem sonnendurchfluteten Wohnzimmer gedankenlos im Beat zu bewegen, als wäre es das Einzige, was auf der Welt zählt. Besonders der Closing Track „Kindalove“ überträgt dieses Gefühl: Ein sanftes Liebeslied das zum Schluss die Bedingungslosigkeit von Liebe als roten Faden des Albums zum Besten gibt.
Dabei ist das Album aber in sich sehr kohärent. Das liegt unter anderem an der ausgefeilten Produktion, bei der Andrew Sarlo (Bon Iver, Big Thief), Henry Kwapis (Dominic Fike) und selbstverständlich Langzeit-Kollaborateur Mk.gee mitwirkten. Alle drei waren auch schon an „Absolutely“ beteiligt. Die Kohärenz liegt aber auch an den konstant fragmentierten Lyrics, die sich durch das gesamte Album ziehen und den fließenden Song-Transitions, die letztlich die fließenden Übergänge des Lebens selbst repräsentieren.
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