Album der Woche: Holly Humberstone – Cruel World
Holly Humberstones neues Album „Cruel World“ umfasst zwölf Tracks und navigiert meisterhaft durch ein emotionales Spannungsfeld zwischen Schmerz und Euphorie. In einem klanglich düsteren, fast gothisch angehauchten Universum widmet sich die Musikerin Themen wie Girlhood, Selbstfindung und der Last von Erinnerungen. Damit knüpft sie nahtlos an den Erfolg ihrer Debüt-EP „Can You Afford To Loose Me“ von 2020 an, für die sie 2022 bereits mit dem prestigeträchtigen BRIT Rising Star Award ausgezeichnet und für einen Ivor Novello Award nominiert wurde.
„Cruel World“: Humberstone so verletzlich wie nie zuvor
„Cruel World“ markiert eine konsequente Weiterentwicklung Holly Humberstones bisherigen Schaffens. Bereits ihr erstes Album „Paint My Bedroom Black“ von 2023 war hochgelobt und brachte der Künstlerin den Durchbruch. In frühen Veröffentlichungen thematisierte sie oft die Isolation und den Übergang zum Erwachsenwerden in der britischen Provinz. Im Vergleich dazu wirkt das neue Album wie ein noch intensiveres, ungefiltertes Statement über das Menschsein. In ihren Lyrics verbindet Humberstone Verletzlichkeit mit einer neugewonnenen Stärke. So gesteht sie sich sie in Zeilen wie „Don’t put your faith in me. Don’t cut me a set of keys. God knows, I’m twenty-four, I’m still a baby“ im Song „Peachy“ fehlendes Verantwortungsbewusstsein ein.
Besondere Aufmerksamkeit widmet Humberstone der Single „Beauty Pageant“. Hier thematisiert die Britin Leistungsdruck, der oft auf weiblich gelesenen Personen lastet. Der Song setzt sich so schonungslos mit den Schattenseiten von Selbstinszenierung und unerreichbaren Schönheitsidealen auseinander. Laut der Künstlerin beschreibt das Stück den Moment wenn die Maske fällt: „Cause I’m too young, too sad Too numb to give a damn / I’ll strike a pose, I’m ready / Come on and make me pretty.“ Wenn das Make-up abgewischt ist, bleibt manchmal eben mit nichts außer der eigenen Zerbrechlichkeit zurück.
Die Abgründe des Show-Business
Gemeinsam mit Produzent Bob Milton gelingt Holly Humberstone die passende Vertonung ihrer Texte. Dabei wird das Album von sanften Streichern und dezenten Drums getragen. Visuell schafft die Regisseurin Silken Weinberg im Musikvideo zu „Beauty Pegeant“ jene Übersetzungsleistung auch visuell: So zeigt sie einerseits schillernde Bilder im 20s-Look. Aber auch die einsame Seite des Show-Business wird beleuchtet, wenn Humberstones leerer Blick als Nahaufnahme wandelt. Durch die ehrliche Auseinandersetzung mit der Fassade und dem dahinter liegenden Kern ihrer„Cruel World“ beweist Humberstone ihr außergewöhnliches Gespür für tiefgehendes Songwriting. Auf ihrer gleichnamigen Tour spielt sie im Sommer 2026 auch in einigen deutschen Städten, sodass Fans auch live in den Genuss der Kunst der Musikerin kommen werden!
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