Lyschko und Drangsal machen es sich im Bett von Robert Smith gemütlich
Eine mittlere Großstadt in NRW ist das Zuhause der dreiköpfigen Post-Punk-Band Lyschko. Mehr ist über das Trio nicht bekannt. Viel wichtiger ist jedoch ihr Sound. In ihrer Spotify Bio wird klar, dass sie sich ganz klar in einem Subgenre zuhause fühlen: Neue Neue Deutsche Welle. Mit Edwin Rosen und vielen anderen Vertreter:innen wie Gwen Dolyn oder Temmis, die sich mit dieser Bezeichnung identifizieren können, hat die Bewegung in den letzten Monaten ordentlich an Fahrt aufgenommen.
Brutaler Post-Punk aus NRW
Doch Lyschko sind nicht erst gestern mit auf den Zug aufgesprungen. Ihre ersten offiziellen Veröffentlichungen reichen schon bis ins Jahr 2019 zurück und auch eine Debüt-EP mit dem Titel „Stunde Null“ findet man bereits in der Diskografie. Seitdem war es jedoch ruhig um das Trio aus NRW geworden – bis zur Veröffentlichung von „Hysterie + Abfall“. Mit der brutalen Post-Punk-Nummer riss die Band vor wenigen Wochen nämlich wortwörtlich sämtliche Mauern des Schweigens ein.
Heute gibt es Nachschub und zwar mit dem Song „Fremd“, dessen Cover schon erste Anzeichen darauf gibt, welcher New Wave-Klassiker hier als Inspiration galt. Darauf zu sehen sind die drei Bandmitglieder Lina Holzrichter (Gesang), Lukas Korn (Gitarre) und Jonah Holzrichter (Bass) auf einem Bett sitzend, mit verdächtig vielen Spinnennetzen im Hintergrund. Bett? Spinnennetze? New Wave? Na, klingelts schon?
Eine Spinne, zwei Spinnen, drei Spinnen, …
„Und schwarze Spinnennetze / Schwarze Spinnenbeine / Schwarze Spinnen-Dame / Und sie schaut mich an von oben / Und sie durchbohrt mich / Und Sie durchdringt mich / Und sie verschlingt mich / Bis ich ein Teil bin von ihr“, singt Lina Holzrichter, Frontfrau von Lyschko zudem in der ersten Strophe von „Fremd“ und spätestens jetzt sollte der Groschen gefallen sein, denn: 1989 erschien der The Cure-Klassiker „Lullaby“ mit dem Robert Smith und seine Band das etwas andere Schlaflied veröffentlichten. Jenes handelte nämlich nicht von Heldengeschichten oder um die Wette hüpfenden Schafen, sondern eher von Alträumen und Spinnen. Über den genauen Inhalt von „Lullaby“ sind sich viele Fans bis heute nicht einig, da der Text auch oft als Auseinandersetzung mit Drogen interpretiert wird.
Aber zurück zu „Fremd“ von Lyschko. Der Song greift nicht nur inhaltlich die Spinnen-Thematik auf, sondern auch das von Dan Trautwein und Max Rech produzierte Musikvideo orientiert sich stark am The Cure-Original und versetzt uns damit nostalgisch in die 80er-Jahre zurück. Sängerin Lina Holzrichter nimmt hier die Rolle des schlaflosen Robert Smith ein und wartet verängstigt auf den Einbruch der Nacht.
Ja, und wer ist dann jetzt eigentlich die Spinne aus dem „Lullaby“-inspirierten Musikvideo? Dafür haben sich Lyschko Cameo-Profi Drangsal ins Boot geholt. Der schlüpft im Musikvideo zu „Fremd“ dann aber sogar nicht nur in die Rolle der gefräßigen Spinne, sondern bereichert auch die Hook des Songs mit seine wunderbare Stimme.
Kurzum: „Fremd“ ist ein durch und durch gelungener New Wave-Song, der mit Referenzen aus den 80er-Jahren spielt und damit eine würdige Anlehnung an „Lullaby“ von The Cure darstellt.
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