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Wirklich stabile Musik und die vielleicht stärkste Release-Woche des Jahres

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Hallo zusammen!

Uns wurde ein bisschen warm und sehr bunt im Herzen, als wir gestern die tollen Bilder vom CSD in Hamburg gesehen haben. Rund 300.000 Menschen waren auf der Demo unterwegs und skandierten dabei immer wieder „Jetzt erst recht!“ Und sie forderten oft: „Taten statt Worte, Merz!“ Das unterschreiben wir so.

Was uns allerdings irritiert und sauer gemacht hat: Der Sicherheitsdienst der Europa Passage soll viele Teilnehmer:innen aufgefordert haben, ihre Pride-Flaggen einzurollen. Das ist zwar rechtens, liegt es doch im Ermessen des Hausrechts (auf das man sich berufen hatte), aber sympathisch nicht wirklich. Wäre also genauso rechtens, in Zukunft einfach lieber woanders einkaufen zu gehen.

Gelacht haben wir in den letzten Tagen über ein Thema, das eigentlich eher zum Weinen ist. Wir betonen ja gerne hier, dass wir die Rechten in vielen Punkten zwar fürchten, sie aber in vielen Dingen auch für extrem peinlich und lächerlich halten. Zum Beispiel, wenn die AfD über Kultur spricht. Die AfD in Sachsen-Anhalt, die laut Verfassungsschutz „gesichert rechtsextrem“ zu nennen ist, hat Anfang des Jahres ein Wahlprogramm veröffentlicht, das klingt, als werde sie in gut sechs Wochen zur Führerpartei gewählt. Viele Sachen, die drinstehen, sind jedenfalls nicht unbedingt Landespolitik. Ein Punkt trägt den Titel „patriotische Kulturpolitik“ und bezieht sich auf eine Kultur, die sich „auf die guten Seiten der deutschen Geschichte“ beziehen soll und nicht von „Selbsthass“ oder „Schuldgefühlen“ geprägt sein soll. In dem Programm heißt es sehr großmäulig: „Die Kulturpolitik muss den Deutschen ihr Selbstbewusstsein zurückgeben. Wir werden durch gezielte Maßnahmen und Bezugnahmen auf die guten Seiten der deutschen Geschichte eine unverkrampfte und auf gesunde Weise selbstbewusste deutsche Identität fördern.“

Beim offiziellen Wahlkampf-Auftakt vor einigen Tagen konnte man nun sehen und hören wie diese Kultur aussieht, die den Deutschen ihr Selbstbewusstsein zurückgeben soll. Die sogenannten rechten „Intellektuellen“ berufen sich ja sonst gerne auf die Vergangenheit und vereinnahmen dabei immer wieder Autoren, die der AfD vermutlich ins Gesicht gespuckt hätten, wenn es die damals schon gegeben hätte – Hans Fallada zum Beispiel. Beim Wahlkampfauftakt gab es nun einen kleinen Teaser, was man so, sagen wir mal, „popkulturell“ oder „rap-technisch“ von ihren Anhängern erwarten darf.

Dort spielten nämlich zwei Musiker, die laut Anmoderation „gerade im Social Media hoch und runter gehen“. Der Track heißt „Heimatverliebt“, soll halb Pop, halb Rap sein und ist – nun ja – ein popkulturelles Verbrechen, für das sich die beiden Interpreten in Grund und Boden schämen sollten. Uns haben sie jedenfalls nachhaltig das Selbstbewusstsein in die deutsche Sprache zertrümmet. Die Herren, die beide den üblichen Haarschnitt der „Identitären“ tragen und da wohl auch engagiert sind, sind auf der Bühne dermaßen talentfrei, dass sie einem wirklich leidtun können, wenn sie das für gute Musik halten. Hier, bei dem Aktivisten Marcant, könnt ihr euch das musikalische Grauen mal in Auszügen antun, ohne diesen Deppen Klicks zu schenken. Auch Finch hat bereits reagiert und fragt völlig zurecht: „Das ist also diese stabile deutsche Musik.“. Tja, genau die ist es. Und das sagt schon viel über den Kulturbegriff dieser Leute.

Leo Kaminski performt „Bauchgefühl“ und „Flugangst“ in der Day & Night Session

Reden wir also endlich lieber über gute Musik und kommen zu Leo Kaminski: Der macht melodischen Rap zwischen Melancholie und Aufbruch, der schon gleich viel besser klingt, als dieser deutschnationale Trash. Der 2003 in Aachen geborene Musiker verbindet detailverliebte Texte mit atmosphärischen Produktionen und erzählt von den Momenten, in denen das Leben plötzlich in Bewegung gerät. Nach seinem Debüt „Alle denken“ und der EP „Stahlbeton“ lebt und arbeitet er heute in Köln, wo neue Eindrücke auf alte Prägungen treffen. Mit seiner neuen EP „Flugangst“ verarbeitet er genau diesen Umbruch: den Schritt, das eigene Hobby zum Beruf zu machen, neue Wege einzuschlagen und mit all den Unsicherheiten umzugehen, die dazugehören. In seiner Day & Night Session performt Leo Kaminski die Songs „Bauchgefühl“ und „Flugangst“.

Unsere Lieblingssongs in dieser Woche

Dass wir die Musik und die einzigartige Poesie der Wiener Band Endless Wellness lieben, haben wir schon oft geschrieben. Deshalb freuen wir uns sehr über die neue Single „So allein sollen wir nie wieder sein“, die wieder mit grandiosen Zeilen wie dieser kommt: „Wir werden baden in Sauerrahm / und wenn wir gleichzeitig schrei’n / Sollen wir lauter als das Rattern der Serverräume sein.“ Das neue Album von Tyla hat es uns natürlich auch angetan, allen voran die Single „THAT GIRL“. Eine „zehnvonzehn“ ist auch die Debütsingle der Newcomerin franz1, schön dass diese Girlhood-Hymne genauso heißt. Mit „Haare nass“ liefern Bekkaa und Jakob Ude einen Sommersong, der nach warmem Asphalt, erstem Verliebtsein und Erinnerungen klingt, die bleiben. Last but not least, solltet ihr euch mit der in vielen Spielarten beheimateten Kunst von Ulla Suspekt befassen – bester Einstieg dafür: Ihre tolle Gitarren-Indie-Nummer „Bis es brennt“.

Album der Woche: Fred again.. & Latin Mafia – 9 months & 50 hours.

50 Stunden Livestream und jahrelang gesammelte Ideen werden zu einem gemeinsamen Mixtape: Auf „9 months & 50 hours” machen Fred again.. und Latin Mafia nicht nur ihre Musik, sondern auch deren Entstehung öffentlich. Das Ergebnis klingt einerseits persönlich und roh, andererseits innovativ und tanzbar.

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Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
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