Echte Musik und echte Texte von echten Menschen!
Hallo zusammen!
In den letzten Tagen liefen die Kommentare zu einem unserer Texte heiß, den ihr auch in diesem Newsletter findet. Kollege Torben hatte sich in „Wieso KI-Artists unsere Musikszene zerstören“ mit professionell produzierten KI-Songs befasst. Im Kern stand dabei ein klares Bekenntnis zur Kunst von echten Menschen und ein kritischer Blick auf die Programme, mit denen man arbeitet, wenn man KI-Musik produziert.
Spannend wurde es vor allem, wenn die Untiefen und Nuancen des KI-Themas in den Kommentaren erkennbar wurden. Viele empfinden ein großes Unbehagen bei dem Gedanken, dass man große Teile der kreativen Leistung an eine KI auslagert. Gleichzeitig nutzen viele aber diverse Tools, die beim Übersetzen, bei der Text-Strukturierung, beim Basteln einer Präsentation oder bei der Bearbeitung eines Fotos helfen. Und dann gab es da noch den Betreiber eines musikfremden Videokanals, der uns erklärte, wie schwierig es manchmal ist, wirklich frei verfügbare Hintergrundmusik für seine Clips zu finden. Eher traurig waren übrigens die Beiträge diverser „AI Producer“ mit erstaunlich wenig Follower:innen, die sehr aktivistisch pro KI argumentierten und das mit denglischen Marketing-„Weisheiten“ garnierten.
Um das noch einmal klarzustellen: Torbens Text ist kein Abwatschen jeglicher KI-Hilfe, was eigentlich auch deutlich wird, wenn man ihn wirklich liest. Es geht eher darum, darauf hinzuweisen, dass findige Firmen daran arbeiten, die Musikportale mit sehr gut gemachter KI-Musik zu bespielen, deren Entstehung erst durch einen der größten Copyright-Diebstähle der Musikgeschichte möglich wurde. Und es geht darum, sich zu positionieren: Ein Track kann ja noch so geil sein – wenn man nicht sieht und weiß, wie groß der kreative Anteil der beteiligten Menschen ist, dann wird er bei uns keine Plattform bekommen.
Zwei Aspekte darf man bei dieser Sache allerdings auch nicht vergessen: Fast alle Firmen, die gerade im großen Stil KI-Modelle anbieten, entstammen einer Businesswelt, der im Grunde nicht zu trauen ist. Zwar mag sich das Silicon Valley gerne auf seine freigeistigen Anfänge berufen, oder Science-Fiction-Autor:innen wie Ian M Banks, William Gibson oder Octavia E. Butler zitieren (die sie allesamt falsch verstanden zu haben scheinen), im Kern wird diese Welt aber von fragwürdigen Männern dominiert, die sich in den letzten Jahrzehnten noch fragwürdigeren Männern wie Elon Musik oder Peter Thiel zugewandt haben. Und dann wäre da natürlich noch das Thema Energie-Verbrauch: Die Technik, die all diese Modelle betreibt, beruht auf Arbeitsprozessen, die unendlich viel Energie und Speicherplatz brauchen. Allein der Wasserverbrauch, der vor allem durch die Kühlprozesse in die Höhe getrieben wird, ist in einem Maße umweltschädlich, bei dem sämtliche Alarmglocken läuten sollten. Vor allem in einem Sommer, der schon jetzt von Wasserknappheit und Waldbränden geprägt ist. Ein aus dem Juni stammender Bericht des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität der Vereinten Nationen erklärt zum Beispiel, dass Rechenzentren bis 2025 weltweit rund 4,5 Billionen Liter Wasser verbraucht hätten – genug, um den Jahresbedarf von mehr als 600 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika zu decken. Bis 2030, so die Prognose der Expert:innen, könnte diese schon stattliche Menge auf bis zu 9,3 Billionen Liter anwachsen. Das würde den Studienautoren zufolge „dem jährlichen Bedarf der 1,3 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika“ entsprechen.
Bei allen wichtigen Überlegungen zum Thema KI und Kunst würden wir uns deshalb wünschen, dass man ebenso intensiv auf die Umweltfaktoren schaut – und sich vielleicht etwas genauer überlegt, wann man Energie-Fresser wie ChatGPT anschmeißt.
Das sind die #MONEYSHOTS der Community im Juli
Ab sofort suchen wir jeden Monat die stärksten Musikfotos aus der DIFFUS-Community! Und die erste Runde hat schon hart abgeliefert: Im Juli war von EsDeeKid bis Peaches alles dabei, wie ihr in dieser Galerie sehen könnt.
Unsere Lieblingssongs in dieser Woche
Machen wir weiter mit echter Musik von echten Menschen: Zwischen Sehnsucht und eingängiger Pop-Hook erzählt Savi Kaboo auf „Soulmate“ von einer Verbindung, die auch über Distanz hinweg bestehen bleibt. Melancholisch, sanft und eingängig wird es bei TROVA, der auf „zeit vergeht, so it goes“ über Vergänglichkeit sinniert. Deutschrap für die Sommer-Playlist gibt es von capé mit „Tutto bene“, während Charlize auf „blair waldorf #mag mich“ „Gossip Girl“-Referenzen mit kühlem Synthwave und Trap Beats mischt. Mit „step by step“ startet Fella sein neues Künstlerprojekt zwischen Deutschrap, Alternative-Indie und Skate-Kultur und macht aus Unsicherheit lieber Bewegung als Stillstand. Last but not least geht Hosenadler auf „Brandy Melville“ der Frage nach, wie man eigentlich seine eigenen Erinnerungen samplet – und wie man sie lyrisch einfängt.
Album der Woche: Q – DO YOU SEE ME?
Drei Jahre hat Q an seinem zweiten Album „DO YOU SEE ME?“ gearbeitet. Darauf verbindet der Musiker aus Florida R&B, Neo-Soul und Alternative Pop mit schleppenden Drums, Gitarren, Synths und organischen Streicherarrangements. Statt seine Gedanken und Erfahrungen dabei direkt auszuerzählen, übersetzt er innere Unruhe, Beziehungen und persönliche Entwicklung in einen Sound, der ständig seine Form verändern kann. Und bekannte Namen aus der Welt rund um das Netzwerk von BROCKHAMPTON, Dominic Fike und Co. finden sich ebenfalls.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.

